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Anna Artaker

11. JANUAR 1929 (DER TAG AN DEM JULIO MELLA STARB)


2013

Beitrag zur Reihe Geschälte Zeit im Monatsmagazin DATUM, Ausgabe 09/2013, p. 96/97

Der auf Einladung des museum in progress entstandene Magazinbeitrag besteht aus zwei Fotos von zwei unterschiedlichen Nachstellungen ein und desselben Verbrechens: dem Attentat auf den kubanischen Kommunisten Julio Antonio Mella (1903–1929), der in der Nacht des 11. Januar 1929 auf offener Straße in Mexico City erschossen wurde. Einzige Zeugin der Tat war seine Lebensgefährtin, die Fotografin Tina Modotti (1896–1942).

Wie noch heute üblich wurde eine Rekonstruktion des Attentats am Tatort angeordnet und fotografisch dokumentiert (in Mexico wurde Fotografie sehr früh für Polizeiarbeit eingesetzt). Außergewöhnlich an diesem Fall ist jedoch dass Modotti – nachdem die Nachstellung des Verbrechens keine Klärung brachte – mit prominenter Hilfe aus dem künstlerischen, linken Lager eine zweite Rekonstruktion durchführte bei der sie ihre eigene Rolle einnahm (Bild rechts).

Der Fall Mella ist nicht nur deshalb interessant, weil die Bilder, die damit verbunden werden, nicht das tatsächliche Ereignis, sondern nur Rekonstruktionen davon zeigen, die mehr oder weniger fiktiv sind: Dass es mehr als eine solche Rekonstruktion gab, führt die Fragilität dieser polizeilichen Untersuchungsmethode vor Augen und die Pluralität von Perspektiven, die bei der Reinszenierung eingenommen werden können.