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Anna Artaker

OHNE TITEL

(Totenmasken Josephinum), 2018

Vitrine mit Totenmasken, 69,5 × 259,9 × 108 cm

Mein Display der Totenmasken aus der Sammlung des Josephinums in der ebenda stattfindenden Ausstellung zur Medizinischen Fakultät der Universität Wien zwischen 1938 und 1945 thematisiert die Lesbarkeit des menschlichen Gesichts. Die Auswahl zeigt führende Ärzte und Professoren der bis 1938 berühmten Medizinischen Fakultät: darunter viele, die lange vor dem „Anschluß“ 1938 verstorben sind, wie der bekannte Anatom Emil Zuckerkandl (1849–1910), solche, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft zu den unmittelbaren Opfern des Nationalsozialismus gehörten, wie Hans Horst Mayer (1853–1939) oder Max Neuburger (1868–1955) und auch NS-Sympathisanten wie Julius Wagner-Jauregg (1857–1940).

Die Präsentation der Masken ohne namentliche Zuordnung unterschlägt Hinweise zur Identifikation. Der Versuch, die Gesichter der „Nicht-Arier“ von denen der Täter und Befürworter des Nationalsozialismus zu unterscheiden, evoziert die obsolete Typisierung vermeintlich jüdischer oder arischer Physiognomien, wie sie der NS-Rassenwahn in der Nachfolge der Rassenlehren des 19. Jahrhunderts propagierte und auf sogenannten „Rassentafeln“ darzustellen versuchte.