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Anna Artaker

THE CLOTH OF STATE

2020

mit traditionellen Kente-Mustern bedruckter Waxprint-Stoff, entworfen in den Niederlanden, hergestellt in Asien, 5 × 1,2 × 30 m, Aluminiumprofil, Stahlseile

THE CLOTH OF STATE bezieht sich auf eine umstrittene Solidaritätsbekundung, welche veranschaulicht, wie schwierig es ist, angemessene antirassistische Gesten zu setzen. Am 8. Juni 2020 knieten demokratischen Mitglieder des US-Kongresses schweigend im Gedenken an George Floyd. Der Afroamerikaner war zwei Wochen zuvor von einem weißen Polizeibeamten, der auf seinem Nacken kniete, getötet worden. Angetan waren die Akteure dafür mit Kente-Stolas, die sie um den Hals gelegt hatten. Diese vom Congressional Black Caucus organisierte Aktion wurde in den Medien breit diskutiert, von beiden Seiten des politischen Spektrums kritisiert und von vielen farbigen Menschen beanstandet. In den 1800er Jahren wurde der Kente-Stoff zum Symbol für die Unabhängigkeit der Schwarzen und den Widerstand gegen die britische Herrschaft. Später wurde der aus dem heutigen Ghana stammende Stoff zu einem Symbol der afroamerikanischen Identität in den Vereinigten Staaten.

THE CLOTH OF STATE ist ein Baldachin aus Stoffstreifen, die mit Kente-Mustern bedruckt sind. Über der Feststiege des Künstlerhauses Wien gespannt empfängt er Besucher*innen mit einer schützenden Geste. Der Titel THE CLOTH OF STATE bezeichnet den Baldachin, der über dem Thron des Monarchen angebracht ist und verdeutlicht damit die privilegierte Position, welche die meisten Besucher der Ausstellung in Bezug auf die Black-Lives-Matter-Bewegung einnehmen. Die österreichische Mainstream-Gesellschaft ist weiß, ihre Mitgliedern haben die Wahl, ob sie sich mit Rassismus auseinandersetzen wollen oder nicht, eine Wahl die People of Color nicht haben.