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Anna Artaker

WELTKARTE

2010

Bleistiftzeichnung und Frottagen einer histor. Silbermünze auf Papier, 184 × 100 cm

WELTKARTE entstand für die Ausstellung Das Potosí-Prinzip. Fokus der Ausstellung war die Stadt Potosí im bolivianischen Hochland, deren Silbervorkommen Ende des 16. Jahrhunderts die Basis für die erste ‘Weltwährung’ bildeten – der spanischen Silbermünze zu acht Real. Die Geschichte von Potosí steht somit für den Beginn des globalen Zeitalters. Zugleich ist es die koloniale Geschichte der Ausbeutung der indigenen Bevölkerung, die zur lebensgefährlichen Arbeit in den Silberminen gezwungen wurde. Sie wird als Prinzip begriffen, das sich bis heute wiederholt.

Die WELTKARTE zeigt den Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Seefahrt und Kartografie einerseits und konstanten Handelsbeziehungen zwischen Europa, Asien, Amerika und Afrika mit dem Silber-Peso als erster Weltwährung andrerseits. 

Es handelt sich um eine handgezeichnete 1:1 Reproduktion einer Weltkarte, die 1600 von Arnoldo di Arnoldi in Siena gedruckt wurde. Es ist die dritte Weltkarte überhaupt, die in etwa dem Bild entspricht, das wir uns bis heute von der Erde machen. Vorbild für di Arnoldi war die 1592 veröffentlichte Weltkarte des niederländischen Kartografen Petrus Plancius. Meine Reproduktion der Karte beschränkt sich auf die Küstenlinien in ihrem damals bekannten Verlauf und das Loxodromen-Netz, das auf der Karte die Ozeane durchzieht. Zusätzlich finden sich darauf Frottagen einer historischen Silbermünze, die zwischen 1586 und 1591 in Potosí geprägt wurde — was sie zur Zeitgenossin der Weltkarte macht. Aneinandergereiht markieren die Frottagen die Seewege, über die das Silber aus Potosí sowohl in östlicher als auch westlicher Richtung rund um den Globus zirkulierte.